Altersvorsorge

Gesetzliche Grundlagen der betrieblichen Altersvorsorge

Jeder Arbeitnehmer in Deutschland hat einen rechtlichen Anspruch auf betriebliche Altersvorsorge (bAV). Das bedeutet aber nicht, dass jedes Unternehmen eine Betriebsrente zahlen muss. Betriebsrenten, die das Unternehmen allein für seine Mitarbeiter finanziert (auch „Direktzusage“ genannt), sind ein Auslaufmodell.

Firmen sind aber gesetzlich verpflichtet, ihren Beschäftigten mindestens einen „externen Finanzierer“ von Betriebsrenten zu vermitteln. Dabei handelt es sich um sogenannte Pensionskassen und -fonds, Unterstützungskassen sowie (Direkt-)Versicherungen. In diese Einrichtungen können Arbeitnehmer und Arbeitgeber flexibel einzahlen. Die Kosten für die betrieblich organisierten Sparverträge sind meistens niedriger als für Privatrenten, und die Renditen sind höher.

Alle Anwartschaften auf eine betriebliche Altersvorsorge, die durch Entgeltumwandlung finanziert werden (d.h., ein Teil des Lohns wird angespart), sind sofort unverfallbar. Dem Arbeitnehmer wird seine Rente also garantiert ausgezahlt – auch bei einem Arbeitgeberwechsel. Auch bei plötzlicher Arbeitslosigkeit wird das bis dahin angesparte Guthaben nicht von den Sozialämtern angetastet; es ist also „Hartz-IV-sicher“. Wie alle anderen Rentenbezüge wird aber auch die betriebliche Altersvorsorge ab Rentenbeginn besteuert.

Wie kommt man zu einer betrieblichen Altersvorsorge?

Abschließen kann man eine betriebliche Altersvorsorge ganz bequem im Betrieb. In vielen Branchen haben Arbeitgeber und Beschäftigte, vertreten von den Gewerkschaften, Standardangebote organisiert. Die nötigen Formulare und Hilfen beim Ausfüllen gibt es in Personalabteilungen, Betriebsratbüros oder – in kleinen und mittelständischen Firmen – direkt beim Chef. Wenn es in einem Unternehmen kein Standardangebot gibt, muss der Mitarbeiter zur Personalabteilung, zum Betriebsrat oder zum Chef. Diese schlagen dann dem Mitarbeiter eine Variante der betrieblichen Altersvorsorge vor. Wer in Sachen Betriebsrente die Wahl hat, sollte eine Pensionskasse oder einen Pensionsfonds wählen, denn diese beiden Formen können auch zum „Riester-Sparen“ verwendet werden.

Auch Selbstständige und Freiberufler können sich eine Art „Betriebsrente“ sichern. Dazu stehen beispielsweise Ärzten, Apothekern, Anwälten, Steuerberatern, Architekten und Freien Medienberuflern (Journalisten, Grafikern, Designern etc.) jeweils eigene berufsständische Versorgungswerke offen. Für viele ist der Beitritt zwingend: Denn außer aus der freiwilligen gesetzlichen Rentenversicherung und/oder der Künstlersozialkasse gibt es für diese Gruppe keinerlei andere Rentenbezüge aus der sogenannten Basisversorgung.

Worauf Sie achten sollten

Gesetzlich garantiert ist auch, dass bei einem Firmen- oder Branchenwechsel jeder einmal geschlossene Betriebsrenten-Sparvertrag weitergeführt werden kann. Wichtig ist, dass der Arbeitnehmer gleich nach dem Wechsel in das neue Unternehmen die Fortführung seines betrieblichen Vorsorgevertrags in die Wege leitet. Auch wenn sein Anliegen von der Personalabteilung, dem Betriebsrat oder dem Chef nicht mit Begeisterung aufgenommen wird, sollte er sich nicht beirren lassen und die Angelegenheit keinesfalls auf später verschieben. Oft hilft nur hartnäckiges Nachfragen und Nicht-Lockerlassen. Denn eine betriebliche Altersvorsorge steht jedem Arbeitnehmer zu und ist unverzichtbarer Teil seiner Altersversicherung.

Ein neues Konzept: Zeitwertkonten (Arbeitszeitmodelle) für Arbeitnehmer

Als Ergänzung zu den bekannten Möglichkeiten der betrieblichen Altersversorgung entscheiden sich immer mehr Arbeitnehmer für so genannte Zeitwertkonten, auch Lebensarbeitszeitkonten genannt. Die rechtlichen Grundlagen hierzu wurden 1998 mit dem so genannten „Flexi-Gesetz“ geschaffen. Auch wenn die Unternehmen sehr zögerlich bei der Umsetzung dieses Konzeptes sind, haben viele Arbeitnehmer erkannt, dass auf dieser Basis die betriebliche Altersvorsorge optimal ergänzt wird – mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass die Arbeitszeit flexibel gestaltet werden kann.

Wie funktionieren Zeitwertkonten?

Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbaren, dass ein Teil des verdienten Lohns nicht ausgezahlt wird. Dieser Bruttobetrag (d.h., Lohnsteuer und Sozialabgaben wurden NICHT abgezogen) wird in ein Zeitwertkonto übertragen. Erst wenn von diesem Arbeitsguthaben ein Teil ausbezahlt wird – z.B. während Karenzzeiten, längeren Freistellungsphasen, zur Finanzierung des Vorruhestandes oder nach Beendigung des Arbeitslebens – fallen Lohnsteuer und Sozialversicherung an.

Nicht nur ein Teil des laufenden Lohnes kann auf das Zeitwertkonto fließen: Der Arbeitnehmer kann auch Arbeitszeitbestandteile wie z.B. Überstunden oder Resturlaubstage „ansparen“ oder sich Prämien oder Sonderzahlungen gutschreiben lassen. Wie jedes Guthaben kann auch ein Zeitwertkonto als Geldanlage dienen und „wachsen“.

Zeitwertkonten ermöglichen viel Flexibilität: Für die Ein- und Auszahlungen gibt es keine gesetzlich vorgeschriebenen Kleinst- oder Höchstbeträge; neben den laufenden Beträgen kann der Arbeitnehmer jederzeit frei wählbare Einmalzahlungen vornehmen. Auch Entgeltbestandteile, deren Höhe unbestimmt ist – z.B. Tantiemen oder Boni – können ganz oder teilweise in Zeitwertkonten eingezahlt werden.

Worauf Sie achten sollten

Anders als in der betrieblichen Altersversorgung haben Mitarbeiter keinen gesetzlichen Anspruch auf die Einführung von Zeitwertkonten. Jedes Unternehmen entscheidet grundsätzlich eigenständig, ob es dieses Modell der betrieblichen Altersvorsorge einführt. Bei Einführung des Arbeitszeitmodells besteht für Arbeitgeber die Verpflichtung, Guthaben von Zeitwertkonten gegen Insolvenz abzusichern. Für Einzelunternehmer und Selbständige sind Zeitwertkonten nicht geeignet; auch in gewissen Fällen nichtselbständiger Tätigkeit kann im Tarifvertrag ein Ausschluss von Zeitwertkonten vorgesehen sein.

Bei Auflösung des Arbeitsverhältnisses, Konkurs des Arbeitsgebers oder in Notfällen kann das Zeitwertguthaben voll- oder teilausgezahlt werden. Das ausgezahlte Guthaben ist steuer- und sozialversicherungspflichtig.

Wenn Ihnen dieses Modell der betrieblichen Altersvorsorge zusagt oder Sie als Firmeninhaber Zeitwertkontenmodelle in Ihrem Unternehmen einführen wollen, unterstützen wir Sie gerne!